Weinbau

Man mag es heute nicht mehr für möglich halten - und erst recht möchte man nicht davon kosten: auch in Mörschwil SG wurde, wie in vielen der angrenzenden Gemeinden (Goldach, Tübach, Steinach, Untereggen, Wittenbach), bis vor gut 100 Jahren Wein angebaut! So zeigt die Siegfriedkarte von 1878 (Blatt 79) gleich mehrere Rebparzellen auf dem Gemeindegebiet (siehe folgender Kartenausschnitt). 

Die winzigen Parzellen deuten darauf hin, dass der Weinanbau von den Bauern als Nebenerwerb oder für den Eigenbedarf betrieben wurde. Auch ältere Quellen erwähnen Rebparzellen in recht grosser Zahl, so etwa die Ehrat-Karte im "Lehenbuch der Gemeind Mörschwil" (1781). Spiess (1976, S. 171) schreibt: „Überraschend ausgiebig wurde in Mörschwil der Weinbau gepflegt, wie aus den Lehenverträgen ersichtlich ist“. Die folgende Abbildung zeigt den Hof Ruechen mit Rebparzelle. 

Dabei handelte es sich nicht immer um Hanglagen, sondern auch um flaches Gelände, auf dem einst Wein angebaut wurde. Die Bepflanzung mit Reben gab den Parzellen manchmal auch den Namen; zu den einzelnen Flurnamen, die einen Bezug zum Rebbau aufweisen, gibt die Seite Flurnamen in Mörschwil mit Bezug zum Weinbau Auskunft. Die meisten Mörschwiler Rebparzellen wurden schon im  19. Jahrhundert aufgegeben und dem Ackerbau gewidmet. Das definitive Verschwinden des Weinbaus in Mörschwil SG erfolgte wohl in der Zeit um 1900 (vergleiche Abbildung "Weinbaustatistik TG") ; im Jahr 1898 soll in Mörschwil noch ein Rebbesitzer 28 Aren bewirtschaftet haben. Damals wüteten in unseren Breitengraden die Reblaus (siehe Abbildung "Befall durch Reblaus") und der Mehltau, was zu Missernten führte. Schliesslich dürfte auch die wohl angesichts der ungünstigen Nordlage bescheidene Qualität in Verbindung mit der hohen Arbeitsintensität eine Rolle gespielt haben.

Abbildung: Weinbaustatistik für den Kanton Thurgau (Quelle: Thurgauer Namenbuch)

Abbildung: Befall durch Reblaus (Quelle: Ernesto Pauli's Weinlexikon, Online)