Textilwirtschaft

Ein wichtiger Erwerbszweig der Mörschwiler war - wie für viele Ostschweizer - das Textilgewerbe. Heimarbeit in der Leinwandweberei sorgte vom 15. Jahrhundert bis ins beginnende 19. Jahrhundert für Einkommen, bis die Webmaschine und billige Importe dieses Gewerbe zusammenbrechen liessen. Der Flurname Blachenacker † könnte auf das Leinwandgewerbe hindeuten; die Bleiche oder "Bleichi" (oder im älteren Mörschwiler Dialekt "Blaachi") ist ein Ort, wo die gewobene Leinwand gebleicht bzw. aufgehellt wurde, um ihr ein helleres und damit edleres Aussehen zu geben. Zu diesem Zweck wurde die Leinwand in wassergefüllten Gruben eingeweicht, anschliessend auf Wiesen an der Sonne ausgelegt und immer wieder mit Wasser begossen (TNB, S. 76). Der Blachenacker könnte also ein Ort gewesen sein, wo zu gewissen Jahreszeiten Leinwand an der Sonne gebleicht worden war. 

Abbildung: Frauen beim Leinwand-Bleichen (Quelle: www.mueseum-isny.de)

Die gebleichte Leinwand wurde anschliessend eingefärbt, und zwar in spezialisierten Färbereien. Häufig wurden die für die Herstellung der Textilfarben benötigten Pflanzen und Mineralien an Ort und Stelle gemahlen, denn das gewonnene Farbpulver war nicht lange haltbar. Der Siedlungsname Farb (siehe Kartenausschnitt) weist auf eine solche Färberei hin (Spiess, S. 147, FN 11). Joseph Benedikt Baumgartner (1780 - 1857), Kantonsrat und Unternehmer, hatte zu Beginn des 19. Jahrhunderts den bereits von seinem Vater geführten Betrieb in der Farb mit Weberei und Färberei übernommen und erfolgreich geleitet. Auf der Eschmann-Karte von 1846 ist für die Farb der Name Fabrik verzeichnet, was auf die Bedeutung des damals noch existierenden Betriebs hinweist. Der Farbweiher als künstlich angelegter Wasserspeicher zur Energieerzeugung ist aber erst auf der Siegfriedkarte von 1878 eintragen.

Abbildung: Farb und Farbweier

In den 1830er Jahren tauchen in Mörschwil SG Stickereibetriebe auf, wo Handstickmaschinen eingesetzt wurden, so zum Beispiel im Neuhaus, am Gallusberg, im Thaa, oder in Riederen.

Abbildung: Schifflistickereifabrik Ackermann, zuletzt Modelleisenbahnfabrik HAG (Quelle: "Mörschwil, wie es noch ist, und wie es war")

Quellen

  • Politische Gemeinde Mörschwil (1991). Mörschwil, wie es noch ist, und wie es war.
  • Nyffenegger, E. & Graf, M. (2007). Thurgauer Namenbuch. Die Flurnamen des Kantons Thurgau. Band 2.2.Frauenfeld: Huber
  • Spiess, E. (1976). Mörschwil zwischen Bodensee und St.Gallen. Ein Dorf im Strom der Zeit 760 – 1900. 2 Bände. Politische Gemeinde Mörschwil (Hrsg.)