Siedlungsentwicklung

Landnahme
Im Jahr 2011 feierte Mörschwil SG sein 1200-jähriges Bestehen. Die erste Urkunde, in der Mörschwil SG Erwähnung findet, geht nämlich auf das Jahr 811 zurück. Wann genau Mörschwiler Boden zum ersten Mal besiedelt worden ist und wann die einzelnen Weiler gegründet worden sind, kann zwar nicht exakt bestimmt werden. Dennoch liefern uns die Ortsnamen den einen oder anderen Hinweis....  Die Tatsache, dass im Gemeindegebiet von Mörschwil SG vordeutsche Siedlungsnamen fehlen, und auch alte alemannische Siedlungsnamen vom Typ -stetten (wie in Märstetten TG, Mettmenstetten ZH), vom Typ -husen (wie in Schaffhausen SH, Merishausen SH, Wolhusen LU), vom Typ -ingen (wie in Wigoltingen TG, Ittingen TG, Münsingen BE) und vom Typ -inghofen (wie in Dietikon ZH, Ebikon LU, Amlikon TG) nicht vorhanden sind, legt nahe, dass unsere Region eher spät besiedelt worden ist. Stattdessen dominieren bei uns Siedlungsnamen von Typ -wil (wie Mörschwil, Näppenschwil, Reggenschwil, Hundwil, Beggetwil, Hagenwil), ein Namentyp, der gemäss Paul Zinsli  im gesamten süddeutschen Raum geradezu als die charakteristische «Ausbautype» des 8. und 9. Jahrhunderts gilt. Dazu passt perfekt, dass der erste Urkundenbeleg von Mörschwil ins Jahr 811 datiert.

Rodungsausbau
Wald wurde nicht nur für die Anlegung von Siedlungen gerodet, sondern natürlich auch zur späteren Ausdehnung der landwirtschaftlichen Nutzfläche. Die schwere und aufwändige Arbeit des Rodens bestand darin, sämtliche Bäume in einem Waldabschnitt mitsamt ihrer Wurzelstöcke zu entfernen. Dabei wurden verschiedene Rodungsverfahren angewendet, die sich teilweise noch aus den Flurnamen erkennen lassen. Auch in der Gemeinde Mörschwil SG gab es solche Rodungsnamen. Sie haben zwar nicht bis heute überlebt, sind aber in grösserer Zahl bis ins 19. Jahrhundert belegt. In Mörschwil SG sind Rodungsnamen vom Typ Rüti, vom Typ Stock und vom Typ Brand fassbar. Feststellungen in älteren Quellen (Spiess, 1976; Stucki, 1916), wonach in unserem Gebiet Rodungsnamen gar nicht vorkommen würden, sind jedenfalls falsch.  Nähere Informationen zu den Rodungsarten und den Flurnamen, die auf Rodungen hindeuten, finden sich im Register Rodungsnamen.

Innere Konsolidierung
Verlässliche Bevölkerungsstatistiken bestehen erst seit Beginn des 19. Jahrhunderts, mit der Gründung des Kantons St.Gallen. Die verfügbaren Zahlen belegen eine recht stabile Bevölkerung bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts:
1809: 1'324 Einwohner
1850: 1'249 Einwohner
1900: 1'584 Einwohner
1950: 1'649 Einwohner
2000: 3'116 Einwohner

Bereits im 18. Jahrhundert finden wir einige Höfe und Gebäude, welche ausserhalb des Dorfes und der Weiler errichtet worden waren; sie geben einen Hinweis auf die sich lockernde Dorf- und Flurordnung, nach der ausserhalb des Dorfetters grundsätzlich keine Wohnstätten errichtet werden durften: Haltelhus (erstmals erwähnt 1712), Schimishus (1745), Neuhus (1781), Strussehus (1781).
Im 19. Jahrhundert wurden etliche Aussiedlungshöfe gebaut, was nach dem Fall der alten Dorfordnung und des Flurzwangs möglich geworden war. Auch in dieser Phase gab es eine typische Namenmode; so wurden die neu gebauten Höfe und Häuser häufig mit Wunsch- oder Ziernamen versehen (Schöntal, Frohburg, Friedberg, Heimat), die manchmal auch aus der damals verbreiteten Naturromantik inspiriert waren (Paradis, Wisental, Bluemehalde, Waldegg, Flurhof).
Aussiedlungshöfe aus neuerer Zeit tragen dagegen eher ältere, am Ort verwurzelte Flurnamen (Bergacker). 

Entwicklung zur Agglomerationsgemeinde
Die bereits beschriebene Tendenz, Flurnamen auf neu entstehende Siedlungen zu übertragen, finden wir auch in der heutigen Zeit; so werden Erschliessungsstrassen in Neubauquartieren häufig nach den örtlichen Flurnamen benannt: Gallusäcker(strasse), Hohenstein(strasse), Betzenberg(strasse), Löhr(strasse).
Die Bevölkerung von Mörschwil SG wuchs bis nach dem 2. Weltkrieg nur bescheiden; erst ab den 1950-er Jahren setzte eine rasante Entwicklung ein, wie die folgende Statistik zeigt:

Abbildung: Bevölkerungsentwicklung Mörschwil 1900 - 2007 (Eigene Darstellung)

Folgende Quellen wurden im Kapitel "Siedlungsentwicklung" verarbeitet:

  • Ehrat, J. N. (1781). Lehenbuch der Gemeind Mörschwil. Band 52. [Landkarten]. Massstab ca. 1:4'000.
  • Gemeinde Mörschwil. Übersichtsplan.
  • Helvetischer Kataster (1802). Gemeinde Mörschwil.
  • Historisches Lexikon der Schweiz (2013). Mörschwil. [Online]
  • Hug, A. & Weibel, V. (2003). Nidwaldner Orts- und Flurnamen. Stans.
  • LSG (2005). Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen. Frauenfeld: Huber.
  • Nyffenegger, E. & Graf, M. (2007). Thurgauer Namenbuch. Die Flurnamen des Kantons Thurgau. Frauenfeld: Huber.
  • Spiess, E. (1976). Mörschwil zwischen Bodensee und St.Gallen. Ein Dorf im Strom der Zeit 760 - 1900. 2 Bände. Politische Gemeinde Mörschwil. (Hrsg.).
  • Stucki, K. (1916). Zu den Orts- und Flurnamen. Die Stadt St.Gallen und ihre Umgebung. St.Gallen.
  • Zinsli, P. (1975). Ortsnamen - Strukturen und Schichten in den Siedlungs- und Flurnamen der deutschen Schweiz.