Pestwiese

Besonders in schweren Zeiten stiftete der Glaube bzw. die Religion Halt und Trost, beispielsweise während Pestseuchen, Kriegsnöten oder andere Katastrophen. Auch über solche Heimsuchungen geben Flurnamen zuweilen Auskunft.

In Mörschwil SG gibt es zwei Landparzellen, welche als Pestwiesen bezeichnet werden. Es handelt sich einerseits um eine Wiese südöstlich des Bildstocks an der Reggenschwilerstrasse im Gebiet Paradis, anderseits um ein Stück Land in Beggetwil. Offenbar waren die Toten der Pestzüge von 1594 und 1611 nicht auf einem Friedhof bestattet worden, da man längere Leichentransporte vermied und Mörschwil damals noch über keinen eigenen Friedhof verfügte. Die Toten der oberen Höfe scheinen in Reggenschwil-Paradis, jene der unteren Höfe in Beggetwil verscharrt worden zu sein (vgl. Spiess, S. 357). Auch wenn die Toten der Pestzüge von 1629 und 1635 gemäss dem Totenbuch bereits auf dem 1628 angelegten Mörschwiler Friedhof bestattet worden waren, so reichte dieser Pfarrfriedhof wahrscheinlich nicht für alle der zahlreichen Opfer der Pest von 1629 (266 Tote bei 468 Überlebenden). Vielleicht wurden weitere Tote in den genannten Parzellen begraben. Besonders heimgesucht wurden 1629 offenbar die Höfe Aachen, Büel, Beggetwil, Näppenschwil, Riederen, Hueb, Alberenberg, Hagenwil und Reggenschwil, während zum Beispiel Untertobel, Enggwil, Lantschen, Bitzi, Watt oder Horchental kaum betroffen waren.