Kohlebergbau

In Mörschwil SG gibt es in der Umgebung des Weilers Büel gleich zwei Ortsnamen Cholegrueben. Der Flurname "Cholegrueb" oder "Cholgrueb" bezeichnet entweder Orte im Wald, wo Holzkohle in Gruben gebrannt wurde, oder Orte, wo Braunkohle abgebaut wurde. In Mörschwil SG trifft die zweite Bedeutung zu, wurde doch im Gebiet Büel immer wieder Schieferkohle abgebaut, teils im Tagebau, teils im Untertagebau. Darauf weist auch der Gewässername Schwärzibach hin, an dessen Böschung die Kohlelager auf kurzer Strecke freigelegt waren, was dem Bach den Namen gegeben haben dürfte. 

Abbildung: Ortsnamen, die auf ehemaligen Kohleabbau hinweisen

Der erste schriftliche Beleg für den Kohleabbau in Mörschwil SG datiert aus dem Jahre 1827, doch gibt es Hinweise auf eine noch frühere Nutzung (vgl. dazu Spiess, S. 640). Eine systematische Ausbeutung der Mörschwiler Schieferkohlelager erfolgte während der beiden Weltkriege (vgl. Bilder).

Abbildung: Kohleabbaugebiete in Mörschwil (Quelle: Spiess)

In der Zeit zwischen 1940 und 1946 waren 12'500 Tonnen Schieferkohle abgebaut worden, die aber hinsichtlich Heizwert nicht mit ausländischer Braunkohle verglichen werden konnte. Im Jahre 1946 hat man die Kohlegewinnung definitiv eingestellt und die Gruben aufgelassen. Zum Andenken an den Bergbau in Mörschwil SG wurde die infolge des Strassenbaus entstandene Siedlung des Josef Wäger als Cholegrueben im Grundbuch eingetragen.

Quellen

  • Gemeinde Mörschwil. Übersichtsplan.
  • Nyffenegger, E. & Graf, M. (2007). Thurgauer Namenbuch. Die Flurnamen des Kantons Thurgau. Frauenfeld: Huber.
  • Spiess, E. (1976). Mörschwil zwischen Bodensee und St.Gallen. Ein Dorf im Strom der Zeit 760 – 1900. 2 Bände. Politische Gemeinde Mörschwil (Hrsg.).
  • Staatsarchiv St.Gallen (A 160/24003c, Faszikel Kohleabbau Mörschwil).