Jagd, Fischerei

Flurnamen geben gelegentlich Hinweise auf Jagd- und Fangmethoden, die in früherer Zeit praktiziert wurden. In Mörschwil SG sind in diesem Zusammenhang die Fluren Wolfgrub † (erwähnt 1545, 1596, 1747, 1781), Rothe Wolfgrub (1781), Davids Wolfsgrub † (1802) und Weibels Wolfsgrub † (1802) im Gebiet des Weilers Hueb aufschlussreich.

Abbildung: In der Nähe des Weilers Hueb hat sich gemäss den Flurnamen früher eine Wolfsfalle befunden (Ausschnitt aus der Ehrat-Karte von 1781).

Der Name Wolfgrub deutet auf eine Grubenfalle hin, welche ein bewährtes Mittel zur Bekämpfung von grösseren Raubtieren war (TNB, S. 354). Wolfsgruben dienten dem Einfangen von Wölfen, die als Bedrohung für das Vieh gefürchtet waren und gnadenlos bekämpft wurden. Die Wolfsgrube war eine Anlage auf einer Fläche von etwa drei bis vier Quadratmetern, und einer Tiefe von bis zu vier Metern (TNB, S. 354). Die Grube wurde mit Reisig oder einer aus Flechtwerk oder Holz gefertigten Fallklappe abgedeckt, während in der Mitte ein Köder ausgelegt wurde. Näherte sich der Wolf dem Köder, brach er durch die Abdeckung und fiel in die Grube, aus der es für ihn kein Entrinnen gab. Auch wenn die letzten Wölfe in unserer Region bereits im 17. Jahrhundert verschwunden waren, hielten sich die entsprechenden Flurnamen offenbar noch bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts. 

Abbildung: Zeitgenössische Darstellung einer Wolfjagd in Deutschland (Quelle: Wikipedia "Wolfsgrube")

Abbildung: Beispiel einer Wolfsgrube in der Nähe von DE-Pforzheim (Quelle: Wikipedia "Wolfsgrube")

Quellen

  • Ehrat, J. N. (1781). Lehenbuch der Gemeind Mörschwil. Band 52. [Landkarten]. Massstab ca. 1:4'000
  • Helvetischer Kataster (1802). Gemeinde Mörschwil.
  • Nyffenegger, E. & Graf, M. (2007). Thurgauer Namenbuch. Die Flurnamen des Kantons Thurgau. Frauenfeld: Huber
  • Spiess, E. (1976). Mörschwil zwischen Bodensee und St.Gallen. Ein Dorf im Strom der Zeit 760 – 1900. 2 Bände. Politische Gemeinde Mörschwil (Hrsg.)