Grenzen

Grenzen sind ein vielschichtiges Phänomen in der Landschaft, und es finden sich in den Flurnamen häufig Verweise darauf. Grenzen sind selbstverständlich auch rechtlich relevant, sie trennen Herrschaftsgebiete, markieren Grundeigentumsrechte, mussten erkämpft und im Streitfall behauptet werden.

In der heutigen Zeit sind Grenzverläufe in aller Regel klar definiert und dokumentiert; bevor es Grundbücher und moderne Vermessungstechniken gab, waren die Grenzen wohl weniger scharf gezogen, es gab eher Grenzsäume, und sie waren weniger stabil und mussten immer wieder ausgehandelt werden. Das Bemühen um die "Sichtbarmachung" von Grenzen zeigt sich auch im Flurnamenmaterial der Gemeinde Mörschwil SG. Das im Flurnamen Zilacker (†, erwähnt 1802) vorkommende Appellativ "Zil" bezeichnet typischerweise ein Gebiet, das sich an der Gemeindegrenze befand, oder die dort befindlichen Grenzmarkierungen. Fättler (†, erwähnt 1802) könnte auf das Wort "Fatt" zurückgehen, das einen Grenzzaun zwischen Grundstücken bezeichnete. Und das Appellativ "Hag" in Hagbrunnen (†, erwähnt 1802) weist auf eine Einfriedung hin, die häufig auch der Abgrenzung diente. Der Flurname Letzi schliesslich steht nicht nur für eine militärische Verteidigungsanlage, sondern auch für einen Grenzhag, was in unserem Beispiel zutreffen dürfte.