Gastgewerbe

Gastwirtschaften spielten im lokalen Gewerbe der Gemeinde Mörschwil SG schon immer eine bedeutende Rolle. So hat im 19. Jahrhundert pro 100 Mörschwiler eine Wirtschaft bestanden. Hochgerechnet auf die aktuelle Bevölkerungszahl würde dies bedeuten, dass heute 35 Restaurants (!) in Mörschwil um Gäste buhlen müssten. In Tat und Wahrheit gibt es nur noch sechs..... Doch gibt es bekanntlich deutlich mehr Möglichkeiten der Freizeitgestaltung als damals; und in den Ausgang fährt man nach St.Gallen oder Zürich, und geht nicht mehr bloss um die Hausecke.

Weil Wirtschaften in den Augen der (kirchlichen und weltlichen) Obrigkeiten Brutstätten für ungebührliches und unsittliches Verhalten waren, und weil manche Zeitgenossen mitsamt ihren Familien wegen übermässigem Wirtschaftsbesuch in wirtschaftliche Not gerieten, versuchte man dem Laster und dem wirtschaftlichem Elend mit Vorschriften und Einschränkungen zu begegnen. Bereits 1688, im "Landmandat" des Fürstabtes Coelestin Sfondrati, wurde das Gastgewerbe obrigkeitlich reguliert:
Ziff. 32: "Die Würth sollen bey vermeydung ernstlicher Straff Spiss und Tranckh umb ein rechtes Geld aufstellen"
Ziff. 33: "Die wirt Sollen den Gesten nit mehr dann umb 5 Gulden auff Borg geben. [...] Dessgleichen nach 8 Uhren zuo Abents kein Speiss noch Tranckh mehr aufstellen, [...], aussgenomen frömden Leuthen".

Die folgenden 21 Wirtschaften gab es in Mörschwil SG seit dem 19. Jahrhundert: Adler, Bahnhof, Bären, Bellevue, Edelwiss, Fahrn, Freihof, Heimat, Hirschen, Krone, Löwen, Meggenhus, Ochsen, Paradis (Biberhund), Rössli (Reggenschwil), Rössli (Meggenhus), Schäfli, Schöntal, Sonne, Sonnenhügel, Steigersche Gastwirtschaft im Haltelhus.

1. Adler
Im Dorfzentrum gelegen, wird dieses schön restaurierte Riegelhaus immer noch als gediegenes Restaurant genutzt. Bereits 1759 ist der Adler urkundlich belegt (Spiess, S. 436), und in der Ehrat-Karte von 1781 ist das Gebäude eingezeichnet. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde der Adler zweimal versteigert, davon einmal in einer freiwilligen Gant (1833), anschliessend noch einmal anlässlich einer Nachlass-Versteigerung (1843) (Spiess, S. 470). 
Abbildung: Das Restaurant Adler heute (Eigenes Foto)

2. Bahnhof
Das Restaurant Bahnhof wurde etwa 1990 geschlossen. Mit dem zunehmenden Individualverkehr und der abnehmenden Bedeutung des Bahnverkehrs war die Lage des Restaurants Bahnhof nicht mehr ideal.
Abbildungen: Das Restaurant Bahnhof mit Gastgarten auf einer alten Postkarte (Quelle: "Mörschwil, wie es noch ist, und wie es war"), und  das umgebaute und erweiterte Gebäude des ehemaligen Restaurant Bahnhof heute (Eigenes Foto).

3. Bären
Das stattliche Gasthaus Bären an der heutigen Strassenkreuzung St.Gallerstrasse - Bahnhofstrasse, das bereits in der Ehrat-Karte von 1781 eingezeichnet ist, brannte 1871 ab.

4. Bellevue (Aachen)
Das Gebäude des ehemaligen Wirtschaft Bellevue wurde im August 2008 abgebrochen. 

5. Edelwiss
Das ehemalige Restaurant Edelwiss befand sich an der Staatsstrasse Rorschach - St.Gallen. Das Gebäude steht heute noch.
Abbildungen: Das Edelwiss auf einer alten Postkarte (Quelle: Mörschwil, wie es noch ist, und wie es war") , und das Gebäude Edelwiss heute (Eigenes Foto).

6. Fahrn
Das Gebäude des alten Restaurants zum Fahrn beherbert heute das Whiskey- und Spirituosen-Fachgeschäft Glen Fahrn. Die Dachgaube wurde noch vor 1939 im Dach eingelassen, vom Gastgarten stehen noch zwei Bäume.
Abbildungen: Das alte Restaurant Fahrn auf alten Postkarten (Quelle: "Mörschwil, wie es noch ist, und wie es war"), und das Gebäude heute (Eigenes Foto).

7. Freihof
Das 1885 erstmals als Freihof erwähnte Gebäude steht mitten im Dorf und beherbergte früher eine Wirtschaft mit angegliederter Brauerei. Das Restaurant wurde 1988 geschlossen. Ob das Gebäude, das bereits in der Ehrat-Karte von 1781 als Wohnhaus eingezeichnet ist, abgebrochen oder saniert wird, ist im Moment noch unklar.
Abbildungen: Der Freihof rechts auf einer alten Postkarte (Quelle: "Mörschwil, wie es noch ist, und wie es war"), und das Gebäude Freihof heute (Eigenes Foto).

8. Heimat
Das Gasthaus Heimat befand sich an der Bahnhofstrasse.

9. Hirschen
Das Gasthaus Hirschen stand in der Nähe der Kirche und ist schon 1898 als Restaurant erwähnt; 1962 war es noch in Betrieb. Inzwischen ist das Gebäude abgerissen worden.
Abbildungen: Das Gasthaus zum Hirschen auf einer alten Postkarte sowie auf einem Foto von 1962 (Kinderfasnacht)(Quelle: "Mörschwil, wie es noch ist, und wie es war"), und  der Platz, an dem das Gasthaus zum Hirschen früher stand (Eigenes Foto).

10. Krone (Riederen)
Das Gasthaus Krone, erwähnt bereits 1855, befand sich in Riederen an der Hauptstrasse St.Gallen - Rorschach. 2016 wurde es geschlossen und abgerissen und musste einem Neubau weichen. 
Abbildung: Das Gasthaus Krone auf einer alten Postkarte (Quelle: "Mörschwil, wie es noch ist, und wie es war"), und das Gasthaus Krone kurz vor dem Abbruch (Eigenes Foto).

11. Löwen (Meggenhus)
Das Gasthaus zum Löwen befindet sich an der Staatsstrasse Rorschach - St.Gallen.
Abbildungen: Das Gasthaus zum Löwen auf einer Postkarte (Quelle: "Mörschwil, wie es noch ist, und wie es war"), und das Restaurant Löwen vor wenigen Jahren (Eigenes Foto).

12. Meggenhus
Abbildung: Das Gasthaus Meggenhaus auf einer alten Postkarte (Quelle: "Mörschwil, wie es noch ist, und wie es war").

13. Ochsen
Der stattliche "Ochsen", eine Wirtschaft mit Bäckerei-Conditorei, befindet sich im Dorfzentrum gegenüber der Kirche. Das Gebäude wurde 1785 errichtet, und 1878 erstmals als "Ochsen" bezeichnet.
Abbildung: Das Gasthaus Ochsen auf einer alten Postkarte (Quelle: "Mörschwil, wie es noch ist, und wie es war"), und das Restaurant Ochsen heute (Eigenes Foto).

14. Paradis (Biberhund)
Das schöne Gasthaus Paradis im Biberhund ist im Jahre 1905 abgebrannt.
Abbildung: Die Wirtschaft Paradis auf einer alten Postkarte (Quelle: "Mörschwil, wie es noch ist, und wie es war").

15. Rössli (Reggenschwil)
Das Ausflugsrestaurant Rössli in Reggenschwil wurde in den 1980-er Jahren geschlossen.
Abbildungen: Die Wirtschaft Rössli auf einer alten Postkarte (Quelle: "Mörschwil, wie es noch ist, und wie es war"), und das Gebäude heute (eigenes Foto).

16. Rössli (Meggenhus)
Das Wirtshaus zum Rössli in Meggenhus wurde 1845 wegen Zahlungsunfähigkeit des Besitzers versteigert (vgl. Spiess). Das Gebäude wurde im Zusammenhang mit dem Autobahnbau abgerissen. Nach Aussage des Gewährsmannes soll das Wirtshaus "Weisses Rössli" geheissen haben.

17. Schäfli (Bitzi)
Das Restaurant Schäfli im Bitzi wurde 2004 geschlossen, das Gebäude musste 2009 einer Neuüberbauung weichen.
Abbildung: Die Wirtschaft zum Schäfle auf einer alten Postkarte (Quelle: "Mörschwil, wie es noch ist, und wie es war").

18. Schöntal
Das Restaurant Schöntal an der Hauptstrasse Rorschach - St.Gallen war noch bis 2016 in Betrieb.  
Abbildung: Das Restaurant Schöntal vor wenigen Jahren (Eigenes Foto).

19. Sonne (Riederen)
Die Wirtschaft Sonne in Riederen an der Hauptstrasse Rorschach - St.Gallen kam 1860 wegen Zahlungsunfähigkeit des Besitzers zur Versteigerung.
Abbildungen: Die Wirtschaft und Bäckerei zur Sonne auf einer alten Postkarte (Quelle: "Mörschwil, wie es noch ist, und wie es war"), und das Gebäude heute (Eigenes Foto).

20. Sonnenhügel
Das Ausflugsrestaurant Sonnenhügel in Aachen wurde vor vielen Jahren geschlossen (1960?).
Abbildung: Das ehemalige Restaurant Sonnenhügel heute (Eigenes Foto).

21. Steigersche Wirtschaft (Haltelhus)

22. Blumenhalde (Goldach)
Nicht mehr auf Mörschwiler Gemeindegebiet, aber unmittelbar an der Grenze, liegt das Restaurant Blumenhalde.

Quellen

  • Politische Gemeinde Mörschwil (1991). Mörschwil, wie es noch ist, und wie es war.
  • Spiess, E. (1976). Mörschwil zwischen Bodensee und St.Gallen. Ein Dorf im Strom der Zeit 760 – 1900. 2 Bände. Politische Gemeinde Mörschwil (Hrsg.)