Güterzusammenlegungen, Meliorationen

Mit Güterzusammenlegungen und Meliorationen wird das Ziel verfolgt, für die Landwirtschaft Strukturverbesserungen zu realisieren und neues Kulturland zu gewinnen. In Mörschwil SG wurde im Zusammenhang mit dem Autobahnbau (A1) Anfang der 1970-er Jahre eine Güterzusammenlegung durchgeführt ("Güterzusammenlegung Mörschwil-Tübach"), während etliche Waldgüter bereits Anfang der 1960-er Jahre neu geordnet und mit Güterstrassen erschlossen worden waren. Zudem sind im 19. und 20. Jahrhundert zahlreiche Entwässerungs- und Entsumpfungsvorhaben durchgeführt worden.

Neben den wirtschaftlichen und ökologischen Auswirkungen haben solche Projekte auch einschneidende Konsequenzen für die Flurnamenlandschaft:

1. Mit der Schaffung grösserer Parzellen und zusammenhängender, kompakter landwirtschaftlicher Betriebsstrukturen verlieren zahlreiche Flurnamen ihre Funktion und werden obsolet. Die toponomastische Vielfalt wird zum Teil drastisch reduziert; während kleinräumige Strukturen das Bedürfnis nach differenzierter Benennung von Landschaftselementen wecken, entfällt dies in grossflächig arrondierten und ausgeräumten Landschaften (vgl. unten die Abbildungen zum Gebiet Büel).

2. Durch Meliorationsmassnahmen wie dem Eindolen von Bächen, dem Aufschütten von Weihern, dem Entfernen von Hecken und dem Begradigen von Waldrändern verschwinden die entsprechenden topografischen Bezeichnungen.

3. Im Fall von Eingriffen in die Natur- und Kulturlandschaft verlieren Flurnamen ihr Benennungsmotiv, geben dafür noch Zeugnis über die Situation vor den Meliorationsmassnahmen. Der Flurname Bruggwies deutet beispielsweise darauf hin, dass dieses Gebiet früher versumpft war. Das Dialektwort "Brugg" bedeutet nämlich nicht nur Brücke, sondern auch Knüppelweg (vgl. folgende Abbildung).

Abbildung: Knüppelweg durch sumpfiges Gelände (Quelle: Süsswassermatrose, Online)

Beispiel Büel
Am Beispiel des Gebiets des Weilers Büel soll gezeigt werden, wie die Anzahl der landwirtschaftlich genutzten Parzellen und damit auch die Vielfalt der Flurnamen abgenommen haben:

Abbildung: Parzellenplan von Büel 1781: ca. 60 Parzellen, ca. 50 Siedlungs- und Flurnamen

Abbildung: Parzellenplan von Büel 1915: ca. 30 Parzellen, ca. 10 Siedlungs- und Flurnamen

Abbildung: Parzellenplan von Büel 2010: ca. 15 Parzellen, 6 Siedlungs- und Flurnamen