Ackerbau

Über 100 Flurnamen in Mörschwil SG (von denen allerdings etliche inzwischen in Vergessenheit geraten sind) enthalten das Wort „Acker“, was darauf hinweist, dass in unserer Gemeinde der Ackerbau früher eine bedeutende Rolle gespielt hatte - anders als heute. Emil Spiess schreibt in seinem Buch „Mörschwil zwischen Bodensee und St.Gallen“ (1976), dass in Mörschwil im Hochmittelalter über 80% des landwirtschaftlichen Bodens dem Ackerbau zugeteilt war (S. 166). Von den im Helvetischen Kataster von 1802 verzeichneten Flurnamen mit Bezug zur landwirtschaftlichen Nutzung sind 58% dem Ackerbau zuzuordnen (zum Beispiel Ebnetacker), und nur 42% der Weide- und Graswirtschaft (zum Beispiel Ämliwis, Fuchsweid oder Oberdorfmättli). Vor diesem Hintergrund erstaunt es nicht, dass in Mörschwil SG früher mehrere Getreidemühlen in Betrieb standen. 

Erst die landwirtschaftliche Revolution im 19. Jahrhundert, als Milchwirtschaft und Obstbau in der Ostschweiz Ackerbau und Weinbau weit gehend verdrängten, veränderte das Landschaftsbild auch von Mörschwil SG dramatisch. Auslöser war der durch den Bau von Eisenbahnen begünstigte Import billigen Getreides. So wandelte sich die einst „braune“ Landschaft Mörschwils in eine „grüne“ Landschaft, geprägt von Wiesen und Obstgärten. Geblieben sind nurmehr einige Flurnamen, die an die Ackerbaukultur erinnern (vgl. Mörschwiler Ortsnamen mit Bezug zum Ackerbau). Und geblieben sind auch noch Reste der einstigen Hochäckerlandschaft..

Auf der Ehrat-Karte (1781) ist der Weiler Meggenhus mit zahlreichen Ackerfluren (braun) eingezeichnet

Was aber haben unsere Vorfahren angebaut? Im Fall von Mörschwil SG lässt sich das aus den Ortsnamen nur vereinzelt eruieren (Bohnenacker, 1802; Kressenacker, 1802), doch zeigen Flurnamen aus anderen Gemeinden der weiteren Region, dass im Fall des Wintergetreides (ab September gesät, ab Juli des Folgejahres geerntet) Dinkel und Roggen, im Fall des Sommergetreides (ab März gesät, ab Juli geerntet) Hafer und Gerste stark verbreitet waren. Mais, Kartoffeln oder Chinaschilf gehörten jedenfalls nicht dazu, diese Kulturpflanzen haben sich bei uns erst im 19. bzw. 20. Jahrhundert durchgesetzt....

Quellen:
- Ehrat, J. N. (1781). Lehenbuch der Gemeind Mörschwil. Band 52 [Landkarten]. Massstab ca. 1:4'000.
- Helvetischer Kataster (1802). Gemeinde Mörschwil.
- LSG (2005). Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen. Frauenfeld: Huber.
- Nyffenegger, E. & Graf, M. (2007). Thurgauer Namenbuch. Die Flurnamen des Kantons Thurgau. Frauenfeld: Huber .
- Spiess, E. (1976). Mörschwil zwischen Bodensee und St.Gallen. Ein Dorf im Strom der Zeit 760 – 1900. 2 Bände. Politische Gemeinde Mörschwil (Hrsg.).
- Wikipedia: "Wölbacker".